Verein alter Bären

Geöffnet

1. und 3. Sonntag im Monat, 14–17 Uhr
Burgdorfstrasse 85, 3510 Konolfingen

Historische Aufnahme des Gasthauses zum Bären in Konolfingen mit grossem Baum davor.

Geschichte des Hauses

Der Bären hat einiges
er- und überlebt

Taverne, Gerichtsort, Gasthof, Wohnhaus, Museum — vier Jahrhunderte an derselben Strasse.

Das Gasthaus

Eine von fünf Tavernen

Im Alten Bern war die Obrigkeit sehr um das Wohl des Volkes besorgt. Das äusserte sich auch in einer strengen Regelung des Wirtschaftswesens. Einer Weisung des Rates von Bern aus dem Jahre 1592 kann entnommen werden, dass im unteren Teil des Landsgerichts Konolfingen nur fünf Tavernen geduldet wurden, nämlich zwei in Münsingen und je eine in Konolfingen, Kiesen und Diessbach.

Tavernen waren die privilegierten Wirtshäuser, die das Recht hatten, Wein auszuschenken, kalte und warme Speisen aufzutragen und Beherbergung anzubieten. Daneben gab es noch so genannte Pintenschenken, die nur zum Ausschank von Wein und zum Aufstellen von Käse und Brot berechtigt waren.

Warum ausgerechnet der Bären?

Zum einen lag er an der wichtigen Strasse von Burgdorf nach Thun und auf halbem Weg zwischen Langnau und Bern. Zum andern war Konolfingen Sitz des hohen Gerichts, das in früheren Zeiten die todeswürdigen Verbrechen ahndete. Hier versammelten sich die Gerichtsgenossen zum Landtag, der die Angeklagten beurteilte. Wurden diese zum Tode verurteilt, wurden sie entweder an Ort und Stelle mit dem Schwert hingerichtet oder auf dem nahen Galgenhubel erhängt.

Der Bären-Wirt hatte die ehrbaren Herren des Gerichts würdig zu verpflegen. Zudem wurde durch solche Gerichtsverfahren viel neugieriges Volk angezogen, ganz besonders wenn eine Hinrichtung zu erwarten war. Auch es wollte verköstigt sein. Die Landtage zu Konolfingen hörten mit dem Untergang des Alten Bern im Jahre 1798 auf.

Historische Aufnahme der Gaststube im Bären mit Gästen an der Theke und an Tischen.
Die Gaststube im Bären — Aufnahme aus dem Bildarchiv des Vereins alter Bären.
«Unwesen, Tanz und Geigen zugelassen»
Chorgericht Münsingen, 21. Hornung 1718

Die Rechte und Pflichten der Wirte waren in Verordnungen und Einzelmandaten genau geregelt. So waren sie unter anderem verpflichtet, Unzucht, Fluchen und Schlägereien im Wirtshaus zu verhindern und verdächtige Personen den obrigkeitlichen Beamten zu melden.

Aus dem Protokoll des Chorgerichts in Münsingen vom 21. Hornung 1718 ergibt sich, dass Bendicht Schneider von Chonolfingen in seinem Wirtshaus Unwesen, Tanz und Geigen zugelassen hatte. Für das Erste sollte ihm zwar die Busse erlassen werden, wenn er die Namen der Spielleute und Tänzer angab. Offenbar hat der Wirt es vorgezogen, die Busse zu bezahlen …

Zeitleiste

Belegte Eckdaten aus der Hausgeschichte, wie sie der Verein alter Bären dokumentiert hat.

Vier Jahrhunderte

1592

Fünf geduldete Tavernen

Eine Weisung des Rates von Bern hält fest, dass im unteren Teil des Landsgerichts Konolfingen nur fünf Tavernen geduldet werden — eine davon in Konolfingen.

1602/1603

Das Holz für den Dachstock wird gefällt

Eine im Dezember 1994 durchgeführte dendrochronologische Analyse — die Altersbestimmung von Holz anhand der Jahrringkurven — hat ergeben, dass die beiden Hochstüde im Herbst/Winter 1602/1603 gefällt wurden und auch ein Sparren aus der gleichen Zeit stammt. Der Dachstock im Alten Bären stellt somit eine intakte Baustruktur aus dem frühen 17. Jahrhundert dar.

Das Sparrenwerk des Dachstocks im Alten Bären
Der Dachstock heute.

1718

Der Wirt vor dem Chorgericht

Bendicht Schneider von Chonolfingen hat in seinem Wirtshaus «Unwesen, Tanz und Geigen» zugelassen und zieht es vor, die Busse zu bezahlen, statt die Namen der Spielleute und Tänzer preiszugeben.

Frühes 18. Jh.

Umbau unter Jakob Schmid

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts baut der damalige Besitzer Jakob Schmid die Gaststätte um. Dabei wird der Dachstock offenbar praktisch unverändert belassen. Gleichzeitig wird die Scheune stark vergrössert und insbesondere ein Tanzsaal eingerichtet.

1798

Die Landtage enden

Mit dem Untergang des Alten Bern hören die Landtage zu Konolfingen auf — und mit ihnen ein wesentlicher Teil des Gasthaus-Geschäfts.

um 1900

Vom Pächter zum Eigentümer

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts erwirbt der bisherige Pächter Adolf Engel das Gasthaus. Im Jahre 1942 übergibt dessen Witwe die Liegenschaft ihrem Schwiegersohn Hans Bachmann.

1959

Die Scheune brennt

Die Scheune fällt einem Brand zum Opfer. An ihrer Stelle wird der neue Gasthof zum Bären errichtet und am 18. Dezember 1970 in der heutigen Form eröffnet.

1981

Verkauf an die Gemeinde

Familie Bachmann verkauft den Alten Bären für Fr. 205'000.– der Einwohnergemeinde Konolfingen.

1994

Sanierung und Museum

In der Gemeindeabstimmung vom 17. April 1994 wird ein Kredit von Fr. 1'200'000.– bewilligt. Das Gebäude wird durch die Einwohnergemeinde Konolfingen umfassend saniert; das Dachgeschoss wird zu einem Mehrzweckraum ausgebaut und mit einem modernen Treppenhaus neu erschlossen. Seit 1994 führt der Verein alter Bären das Dorfmuseum.

Die sanierte Fassade des Alten Bären mit Bistrotischen
Der Alte Bären heute.

Das Gebäude

Im Inventar der
schützenswerten Bauten

Im Inventar der schützenswerten Gebäude und Anlagen der Gemeinde Konolfingen wird der Alte Bären so umschrieben:

«Stattlicher 7-achsiger Riegbau auf ebenerdigem Kellersockel. Steiles geknicktes Vollwalmdach. Hölzerne Ecklisenen. Historisches Wirtshausschild. Repräsentativer Vertreter des klassizistischen Dorfgasthauses.»
Bauinventar der Gemeinde Konolfingen

Der Bären einst — Bilder aus dem Vereinsarchiv. Zum Vergrössern anklicken.

Ortsgeschichte

Friedrich Dürrenmatt

Der Schriftsteller verbrachte seine Kindheit in Konolfingen — und hat das Dorf aus der Erinnerung kartiert.

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Bücher

Chonolfinger Gschichtli

Adolf Gerbers Geschichten aus der Region, neu herausgegeben vom Verein alter Bären.

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